Fachautoren-Artikel in Service-Seiten-Gesundheit (Nr. 02), 2008

Vom unergründbaren Geheimnis zum "sanften Blick" in Sekundenfrist

Stationen der Kardiodiagnostik


"Die Tiefen des menschlichen Herzens sind unergründlich." Dieses Zitat des berühmten Philosophen Immanuel Kant umschreibt treffend den Erkenntnisstand, den die medizinische Forschung bis weit in die Neuzeit von unserem Lebensmotor hatte.

Dabei beschäftigten sich schon die Schamanen, Heiler und ersten Ärzte der frühen Kulturen intensiv mit dem Herzen, das bereits auf prähistorischen Wandmalereien als besonders wichtiges wie verwundbares Organ hervorgehoben wurde.

Die Aufmerksamkeit der heilkundigen Chinesen, Griechen und Römer galt zunächst dem Puls als spür- und somit überprüfbarem
Ausdruck der mechanischen Herztätigkeit. Hierzu entwickelte Herophilos von Chalkedon etwa um 300 v. Chr. eine Taschenwasseruhr zur Pulsmessung. Doch das wahre Geheimnis des Herzens sollte weiterhin ungelöst bleiben, so dass der römische Dichter Seneca vor rund 2000 Jahren resignierend formulierte: "Der Anfall ist sehr kurz und einem Sturm ähnlich. Bei anderen Leiden hat man mit der Krankheit zu kämpfen, hier aber mit dem Sterben."

Jahrtausende ohne Fortschritt

Dieses Fügen in ein scheinbar unabwendbares Schicksal bestimmte über viele Jahrhunderte den Umgang mit jeder Art von Herzerkrankung. Es sollte bis zum Jahr 1628 dauern, bis mit der Entdeckung des Blutkreislaufes durch den englischen Arzt William Harvey etwas mehr Licht der Erkenntnis gewonnen werden konnte.

Ebenfalls ein Engländer, der Pfarrer und Wissenschaftler Stephen Hales war es, der erstmals eine invasive Blutdruckmessung vornahm, indem er eine Kanüle in die Halsschlagader eines Pferdes einführte und mit einem Glaszylinder verband.

1816 - gut 12 Jahre nach dem Tode Kants - erfand der Franzose René T. Laënnec schließlich das Stethoskop, mit dem die Auskultation, das so genannte 'Abhorchen' des Herzens erstmals ermöglicht wurde.

Auch in der Folgezeit konzentrierten sich die Entwickler diagnostischer Techniken auf die Messung des Blutdrucks. Ein solches frühes Gerät war z. B. der Sphygmograph des deutschen Physiologen Karl von Vierordt. 1896 beschrieb der Italiener Arzt Scipione Riva-Rocci ein einfaches Gerät zur Blutdruckmessung mit einer Armmanschette, das zunächst von Harvey W. Cushing verbessert wurde, und schließlich 1905 vom Russen Nikolai S. Korotkow abgewandelt wurde.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts kristallisierte sich die Kardiologie als eigenständiges Forschungsgebiet innerhalb der Inneren Medizin heraus. Damit einhand gingen die Gründung zahlreicher Fachzeitschriften und die Konstitution von kardiologischen Gesellschaften, zu deren ersten 1927 die "Deutsche Gesellschaft für Kardiologie -, Herz- und Kreislaufforschung“ gehörte.

Einen Meilenstein der Diagnostik markierte 1903 der von dem Niederländer Willem Einthoven konstruierte Elektrokardiograph (EKG), bei dem die Hände und Füße der Patienten zur Ableitung der Herzströme noch in Salzlösung getaucht wurden.

Herzkatheter im Selbstversuch

1929 kam es zur ersten Herzkatheteruntersuchung, als sich der chirurgische Assistenzarzt Werner Forßmann im Selbstversuch einen Gummischlauch durch seine Armvene in den rechten Herzvorhof schob. Doch der Erfolg blieb ihm zunächst versagt, da er von der Fachwelt für unseriös erachtet wurde. So urteilte der bekannte Chirurg Ferdinand Sauerbruch abfallig: "Mit solchen Kunststücken habilitiert man sich im Zirkus und nicht an einer anständigen deutschen Klinik."

Erst etliche Jahre später erkannten die Amerikaner André F. Cournand und Dickinson W. Richards den Wert von Forßmanns Forschungen, auf deren Basis sie die Herzkatheteruntersuchung zum anerkannten Verfahren weiterentwickelten. 1956 wurde der Verdienst aller drei Mediziner mit dem Nobelpreis honoriert.

Zeitlich parallel wurden zwischen 1950 und 1954 die ersten Echokardiographien von Wolf-Dieter Keidel sowie von Inge Edler und Carl H. Hertz durchgeführt.

Bahnbrechende Erfolge

In jener Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und den folgenden Jahrzehnten überschlugen sich die Ereignisse im Zuge der rasanten technischen Entwicklung. Erfindungen wie die Herz-Lungen-Maschine (1953), der erste Herzschrittmacher (1958) oder die künstliche Herzklappe (1961) gaben dem Mediziner immer stärkere Waffen im Kampf gegen den Herztod an die Hand.

Einen weiteren Quantensprung bedeutete der Siegeszug der Computertechnologie. So wurde z.B. die dopplergestützte Echokardiographie zwar bereits 1959 durch den Japaner S. Satomura eingesetzt, konnte jedoch erst in den frühen 80er-Jahren mit der Verfügbarkeit leistungsstarker Rechner zur Anwendungsreife gelangen.

Computer revolutionieren Radiologie

Diese stetig wachsende Leistungsstärke eröffnete im Verlauf der letzten Jahre auch für die diagnostische Radiologie neue Perspektiven. Während zunächst Verfahren wie die Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) auf Grund der schnellen Eigenbewegung des Herzens nur bedingt eingesetzt wurden, haben sie heute eine zentrale Bedeutung für die Kardiodiagnostik erlangt.

Beide Verfahren zeichnen sich dadurch aus, dass sie dem Arzt auf nichtinvasiven Weg, also ohne in den Körper einzudringen, den direkten Blick in das Herz erlauben. Und dies mit bemerkenswert hohen Aufnahmegeschwindigkeiten, die in vielen Fällen entscheidend sein können.

Kardio-CT: Präzise Diagnosen in kürzester Frist!


Die kardiale Computertomographie ist eine Untersuchungsmethode, mit der sich das Herz und die Herzkranzgefäße sehr genau darstellen lassen. Sie ermöglicht die exakte Visualisierung von Verkalkungen der Herzkranzgefäße innerhalb geringer Diagnosezeiten, wodurch Hinweise auf eine Verengung oder Verstopfung der Gefäße gewonnen werden..

Die hohe Bildqualität hilft auch Veränderungen an den Herzklappen oder an der großen Körperschlagader sowie angeborene Herzfehler zu identifizieren und weitere Maßnahmen präzise zu planen. Bei der CT handelt es sich um eine Röntgenuntersuchung,  die heute mit deutlich reduzierter Strahlendosis durchgeführt werden kann.

Kardio-MRT: Vielfache Erkenntnisse - strahlenfrei!

Die Magnetresonanz- oder  Kernspintomographie ist ein Verfahren, mit dem Schnittbilder vom Körper und von einzelnen Organen gewonnen werden können. Hierbei wird mit einem starken Magnetfeld gearbeitet, in das der Patient gelegt wird. Daher ist sie z.B. für Träger von Herzschrittmachern nicht geeignet.

Die MRT spielt sowohl bei der Früherkennung als auch in der Infarktdiagnostik eine bedeutende Rolle, da auf diesem Wege Funktion, Vitalität und Morphologie des Herzens innerhalb eines einzigen Untersuchungsganges abgeklärt werden können. Weiterhin ist es möglich, selbst kleine Infarkte an der Herzrückwand zu erkennen. Zudem wird sie zur Diagnose angeborener Herzfehler sowie von Tumoren eingesetzt.

Zukunftsorientierte radiologische Praxen, die in enger Kooperation mit Kardiologen arbeiten, können so ein breites Untersuchungspektrum anbieten, das von der rechtzeitigen  Früherkennung eventueller Risiken über die sorgfältige Kontrolle zurückliegender Krankheiten bis zur Veranlassung erforderlicher therapeutischer oder operativer Maßnahmen reicht und nahezu jedem Geheimnis auf die Spur kommt.

FACHAUTORIN: Dr. med. Verena Scholz (Fachärztin für diagnostische Radiologie)

  • HERZ-ANZEIGE.pdfAnzeige "Wir zeigen Herz". Veröffentlicht in: Service-Seiten-Gesundheit, 2008

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